Die Frage aller Farben

Hallo Ihr Lieben! Wie angekündigt geht es jetzt los – natürlich zuerst mit den Farben! Als Anfänger in der Aquarellmalerei steht man vor einer riesigen Auswahl an Farben. Es stellt sich die Frage nach Tuben oder Näpfen, nach einer Grundausstattung an Farbtönen, aus denen sich möglichst viele Farben mischen lassen, um Lichtechtheit, Transparenz etc. Aquarellfarben von folgenden Firmen habe ich während meiner Reise bereits ausprobiert, sodass ich Euch zu diesen etwas erzählen kann:
  • Schmincke Akademie
  • Schmincke Horadam
  • Winsor & Newton Cotman
  • Winsor & Newton Professional
  • Winsor & Newton Artist
  • Sennelier
  • Old Holland
  • Daniel Smith
  • St. Petersburg White Nights
  • Ecoline Liquid Watercolor
  • No Name Aquarellfarbe aus dem Discounter
Im folgenden mache ich Euch einmal eine Liste über die Vor- und Nachteile jeder der benutzten Farben und wieso und weshalb ich sie zum Einstieg empfehle oder nicht. Aquarellfarbe aus dem Discounter Vorweg: Aquarellfarbe aus dem Discounter ist meiner Meinung nach nicht zu empfehlen! Eigentlich könnte ich diese von der Liste wieder entfernen, ich möchte das Thema aber trotz alledem einmal ansprechen, da ich bereits sehr häufig Empfehlungen gelesen habe, zum Einstieg reichten Aquarellfarben aus dem Discounter – Nein! Definitiv nicht! Ich bin kein Freund davon direkt das teuerste Produkt zu empfehlen, das ist auch oft gar nicht nötig, aber meine Erfahrung mit Aquarellfarbe aus dem Discounter  war alles andere als gut. Für 1,99 Euro erhielt ich 10 Farben (welcher Discounter diese Farben verkauft hat weiß ich leider nicht mehr). Die Farben ließen sich kaum mit Wasser anmischen und waren schmierig, ließen sich nicht mischen und sich überhaupt nicht schön auf das Papier auftragen, von schöner Farbbrillanz auch keine Spur. Ich bin der Meinung gerade wenn man ein Malmedium neu kennenlernt sollte man dem Medium durch Ausprobieren eines hochwertigeren Produkts eine realistische Chance einräumen. Ich bin mir sicher, wenn ich vorher keine anderen Marken gekannt hätte, wäre meine Erfahrung mit der Discounter Aquarellfarbe die erste und die letzte gewesen. Kauft Euch lieber nur eine einzige Farbe für rund 2 Euro von einem namhaften Hersteller und probiert damit herum, wenn Ihr zum Testen nicht so viel Geld ausgeben wollt. Monochromatische Kunst ist auch schön 😉 So jetzt habe ich aber genug gemotzt, weiter mit dem interessanten Teil.  

Schmincke Akademie und Schmincke Horadam

Meine ersten Schritte in der Aquarellmalerei ging ich mit Schmincke Akademie Farben in einer 12 Farben in Näpfen umfassenden Palette. Die Schmincke Akademie Serie ist was die Farbvielfalt angeht, nicht so umfangreich wie die Schmincke Horadam Serie, sodass sich bald einige einzelne Schmincke Horadam Farbnäpfe in meiner Palette wiederfanden. Die Firma Schmincke stellt hervorragende Farben her, sowohl die Akademie Serie als auch die Horadam Serie bieten eine hohe Farbbrillanz, lassen sich großartig aus den Näpfen anlösen und sehr gut auf das Papier bringen. Qualitativ ist die Horadam Farbe merklich hochwertiger, aber auch die Akademie Farben kann ich ohne Bedenken empfehlen. Preislich gesehen stehen die Schmincke Horadam Farben im oberen Mittelfeld, die Akademie Serie gibt es etwas günstiger. Teilweise bietet Schmincke vorgefertigte Paletten zu einem Angebotspreis an, auch diese sind sehr zu empfehlen, die Farbauswahl ist soweit ich weiß nach wie vor gut durchdacht und für alle Arten von Malerei gut zu gebrauchen. Für den Einstieg nachteilig ist, dass Schmincke Farben in großen Teilen alle unterschiedlich mit Wasser reagieren und einige Farben darunter sind, welche nicht transparent oder semi-transparent sind. Dieser Umstand macht die Farben zwar sehr interessant, da jede einzelne Farbe „studiert“ werden will, aber sie machen einem nach meiner Erfahrung die ersten Schritte in der Aquarellmalerei unnötig schwer. Mir ist es besonders oft passiert, dass ich nach dem Mischen zweier „falscher“ Farben ein vermatschtes Gesamtergebnis erzielt hatte. Am Anfang bin ich so sehr mit der Maltechnik und dem Motiv beschäftigt gewesen, dass es mich teilweise überforderte, auch noch darüber nachzudenken, welche Farben nicht miteinander gemischt werden können. Aus diesem Grund möchte ich die Schmincke Aquarellfarben – auch wenn ich sie sehr schätze und ich mir einige Farbtöne aus meiner Palette nicht mehr wegdenken kann – nur eingeschränkt für den Einstieg empfehlen, es sei denn man ist mit einer hohen Frustrationstoleranz gesegnet und hat Lust viele Stunden mit dem Erlernen der verschiedenen Farbeigenschaften zu verbringen.  

Winsor & Newton – alle drei Qualitätsstufen

Winsor & Newton Cotman Farben sind hervorragend transparent und weisen eine gute Qualität auf. Ich besitze die Cotman Studio Palette und einige einzelne Tuben in Künstlerqualität, mit denen ich gerne arbeite. Gerade für die Arbeit an Illustrationen schätze ich die Winsor & Newton Farben in allen drei Qualitätsstufen, da ich bei der Verwendung verbindlich einschätzen kann, wie sich diese untereinander verhalten werden. Außer, dass es sich bei den Cotman Farben oft um sogenannte Hues, also Farbtöne handelt und nicht um natürliche Pigmente, kann ich kaum etwas negatives an ihnen finden. Das einzige kleine Manko in meinen Augen ist, dass viele Farbtöne sehr grell und gesättigt sind, unter Umständen ist es hier schwierig, natürliche Farbtöne zu erzielen. Natürlich kann man durch das richtige Mischen von Tönen die Sättigung abschwächen, vielleicht ist es auch einfach nur Geschmackssache. Die Farben verhalten sich sehr verlässlich in Verbindung mit Wasser, lassen sich alle untereinander hervorragend mischen und das Risiko eines „vermatschten“ Gesamteindrucks reduziert sich auf Grund der hohen Transparenz der Farben. Die Winsor & Newton Aquarellfarben bewegen sich in ebenfalls im mittleren Preissegment, die Künstlerqualität am oberen Ende, die Cotman Studienqualität am unteren Ende. Wer es sich leisten kann und möchte, dem kann ich die Cotman Studio Palette uneingeschränkt ans Herz legen. Für rund 40 Euro erhält man 45 halbe Farbnäpfe und hat somit die gesamte Cotman Serie mit 40 Farbtönen auf einmal abgedeckt, 5 Farben sind doppelt enthalten. So eine große Farbauswahl ist natürlich nicht zwingend notwendig, da viele Farben angemischt werden können. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass einige vorgemischte Farbtöne sehr schnell zu Lieblingsfarben werden können. Ich wundere mich bis heute über manche Farbtöne und deren Weg in meine Palette. Farben, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie mag, sind zu meinen absoluten Favoriten geworden. Der große Farbumfang der Cotman Palette bietet die einmalige Möglichkeit viele Farben zu einem vertretbaren Preis auszuprobieren und mögliche Lieblingsfarben zu entdecken.  

Sennelier

Sennelier Aquarellfarben haben eine gute Farbbrillanz, lassen sich auf Grund des enthaltenen Honigs besonders gut mit Wasser anlösen und mischen sich hervorragend. Einige Farben sind transparent, einige semi-transparent und einige opak. Insoweit stehen wir vor den gleichen Schwierigkeiten und Eigenheiten wie mit den Schmicke Farben. Sennelier produziert jedoch einige Farbtöne, die es von anderen Marken in dieser Form nicht gibt, daher lohnt sich der Blick auf diese Farben insbesondere dann, wenn man schon etwas Erfahrung mit Aquarellmalerei hat und seine Palette um einige interessante Farben aufstocken will. Sennelier bietet ebenfalls ein Einsteigerset an, welches verschiedene Farbtöne umfasst. Ich selbst habe mit diesem Einsteigerset keine Erfahrungen gesammelt, kann aber insoweit für Sennelier sprechen, als dass ich einige Farben in meine Standardpalette integriert habe, die ich nicht mehr missen möchte. Der Umfang der Sennelier Tuben ist etwas größer als die Tuben von anderen Marken, was sich auch im Preis bemerkbar macht. Die Näpfe rangieren preislich im Bereich der Schmincke Horadam und Winsor & Newton Professionals.  

Old Holland

Old Holland produziert einige sehr schöne Farben, die es im Sortiment von anderen Marken nicht gibt, da lohnt sich der Blick auf die Farbkarte! Die Farben sind sehr hochwertig und lassen sich gut mit Wasser anlösen. Ich habe bisher nur mit wenigen Farben von Old Holland eigene Erfahrungen gesammelt. Die Farben, welche ich bisher testen konnte, gehen alle in eine kreidige Richtung. Wem das gefällt, ist bei Old Holland in den richtigen Händen, für meinen Geschmack und für meine Verwendungsweise sind die Farben von Old Holland zu wenig transparent, wenn auch von ausgezeichneter Qualität. Zwei Farbtöne sind fest in meine Standardpalette integriert und für spezielle Effekte reserviert. Sicherlich wird in Zukunft noch der ein oder andere Farbton ausprobiert. Um eine qualifizierte Empfehlung hinsichtlich der Anfängertauglichkeit der Old Holland Farben abgeben zu können, habe ich bisher noch nicht genügend unterschiedliche Standardfarbtöne getestet.  

Daniel Smith

Absolut großartige Farben, unglaublich große Farbauswahl und leider hier in Deutschland schwer zu bekommen und anders als in den USA sehr hochpreisig. Selbstverständlich kann ich Daniel Smith Farben uneingeschränkt empfehlen. Ich selbst besitze nur wenige ausgewählte Farbtöne, aber ich liebe sie! Soweit ich weiß gibt es Daniel Smith Farben nur in Tuben und nur eingeschränkt in Sets, sodass man sich die Farben selbst zusammenstellen müsste Bei so viel Farbauswahl ist die Zusammenstellung einer funktionierenden Palette sehr zeitaufwändig und mit viel Erfahrung mit ähnlichen Farbtönen verbunden. Mit Sicherheit werde ich in der Zukunft weitere Farbtöne von Daniel Smith zukaufen, trotz des hohen Preises, weil ich von der Qualität und Farbbrillanz überzeugt bin. Die Farbauswahl ist überwältigend.  

St. Petersburg White Nights

St. Petersburg White Nights bietet Farben im oberen Segment der Studienqualität. Für mich sind die White Nights Farben zu opak und daher für meine Zwecke und Arbeitsweise kaum sinnvoll nutzbar. Wem das nichts ausmacht, der wird Freude an günstigen, aber qualitativ hochwertigen Aquarellfarben haben, welche sich gut anlösen und gut mischen lassen. White Nights enthält einige sehr schöne Farbtöne, die ich gerne mochte, die es aber auf Grund der mangenden Transparenz nicht in meine Standardpalette geschafft haben. Gutes Einsteigerset, wenn man sich nicht daran stört, dass viele Farben opak sind und sich somit das Risiko einiger Mischpannen erhöht.  

Ecoline Liquid Watercolor

Ecoline Liquid Watercolor sind bereits mit Wasser angemischte hoch transparente Aquarellfarben, die in einer Art Tintenfässchen verkauft werden. An Transparenz unschlagbar. Die Farben finden in meinem Studio regelmäßige Anwendung. Sie sind günstig und ergiebig, aber absolut nicht lichtbeständig! Bei der Verwendung dieser Farben sollte diese Tatsache in jedem Fall bedacht werden. Ich nutze die Farben gerne in Illustrationen, welche ich unmittelbar nach der Fertigstellung digitalisiere und von denen ich weiß, dass ich das Original nicht aufhängen oder auf sonstige Art und Weise weiterverwenden möchte. Auf Grund der etwas umständlichen Handhabung und dem benötigten Platz nur eingeschränkt als alleinige Einsteiger Aquarellfarbe geeignet, aber eine sehr schöne Ergänzung zur bestehenden Palette. Insbesondere die Pastelltöne sind unschlagbar.   Fazit: In meinen Augen uneingeschränkt empfehlenswert zum ausprobieren auf der „sicheren Seite“ ist die Cotman Serie, sowie einige ausgewählte Farbtöne von den anderen Marken als Ergänzung.   Natürlich gibt es noch weitere Aquarellfarben von anderen Herstellen, z.B. Van Gogh, M. Graham, Mission Gold, Koi Sakura u.a. Von diesen Farben kann ich nicht aus eigener Erfahrung berichten. Kommentiert gerne auch Eure persönlichen Erfahrungen mit den oben genannten oder anderen Farben, ich bin sehr gespannt, welchen ersten Eindruck Ihr von den verschiedenen Aquarellfarben gewonnen habt!        

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Made with love by Sven JanserCopyright © JanserImagination.